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Ermittlungsverfahren19. Februar 2026· 6 Min. Lesen

Hausdurchsuchung

was jetzt wirklich zählt

In der Durchsuchungssituation geht es nicht um Erklärungen, sondern um kontrolliertes Vorgehen und saubere Dokumentation.

Erste Minuten

Eine Hausdurchsuchung kommt selten angekündigt. In der Situation entscheidet nicht Panik, sondern Struktur.

Dieser Leitfaden zeigt, was Sie dulden müssen, was Sie nicht müssen und welche frühen Fehler den weiteren Verfahrensverlauf oft unnötig verschlechtern.

Ziel in der Praxis: Rechte sichern, Aussagefehler vermeiden, Aktenlage kontrollieren.

Was jetzt wirklich zählt

01
Rechtsgrundlage

Durchsuchung nur mit tragfähiger Grundlage

Grundsätzlich braucht es einen richterlichen Beschluss, typischerweise auf Grundlage von § 102 StPO. Ausnahmen bei Gefahr im Verzug sind juristisch überprüfbar.

Lassen Sie sich den Beschluss zeigen und prüfen Sie Name, Tatvorwurf, Zweck und Datum.

02
Aussagen

Sie müssen keine Fragen zur Sache beantworten

Als Beschuldigter besteht ein Aussageverweigerungsrecht. Sie müssen die Maßnahme dulden, aber nicht aktiv an Ihrer Überführung mitwirken.

Spontane Erklärungen wie "ich erkläre das kurz" wirken in der Akte häufig belastend.

03
Digitale Geräte

Keine freiwilligen Entsperrungen

Kein Passwort herausgeben, keine freiwillige Entsperrung, keine spontanen Chat-Erklärungen. Digitale Auswertung ist ein Kernbestandteil moderner Ermittlungen.

Je weniger unkontrollierte Angaben in der Situation, desto besser bleibt die spätere Verteidigung steuerbar.

04
Sicherstellungen

Mitnahme und Protokoll

Beschlagnahmt werden häufig Handys, Laptops, Speichermedien, Dokumente oder Bargeld. Sie haben Anspruch auf ein vollständiges Sicherstellungsprotokoll.

Dokumentation ist später zentral für die Prüfung von Umfang, Zuordnung und Beweiskette.

05
Praxisablauf

Konkrete Schritte nach Zustellung

Verteidigungsziel

Fehler in den ersten Stunden vermeiden und die Verfahrenssteuerung über Akteneinsicht zurückgewinnen.

Ruhig bleiben, keine Aussage zur Sache, keine freiwilligen Passwörter, Beschluss und Protokoll dokumentieren, sofort Verteidigung kontaktieren.

Der wichtigste Schritt nach der Durchsuchung ist Akteneinsicht: Erst dann lässt sich die belastbare Strategie festlegen.

Mini-Ergebnis
Durchsuchung ist oft der Beginn des Problems, nicht das Ende.
Unkoordinierte Reaktionen verschlechtern die Ausgangslage häufig.
Erst Akte, dann Strategie.

Kurz-FAQ

Darf ich einen Anwalt anrufen, während durchsucht wird? Ja, jederzeit.

Muss ich die Beamten hereinlassen? Bei wirksamem Beschluss: ja.

Darf ich die Durchsuchung filmen? Rechtlich sensibel; wichtiger ist die Dokumentation von Beschluss und Protokoll.

Ergebnis
Fazit: Nicht kooperativ wirken wollen, sondern Fehler vermeiden.
Keine Aussagen ohne Aktenkenntnis.
Keine freiwilligen Entsperrungen.
Nach der Durchsuchung entscheidet die frühe Strategie über den Verfahrenskorridor.
Artikeldetails
RechtsgebietErmittlungsverfahren
ThemaDurchsuchungssituation
Datum19. Februar 2026
Lesezeit6 Min.
Normen§ 102 StPO, § 105 StPO
Autor
W
Benjamin C. Wenzel
Fachanwalt für Strafrecht

Frühe Verteidigung bei Durchsuchung, Sicherstellungen und digitaler Auswertung mit Fokus auf Verfahrensrechte und Aktenkontrolle.

Bei Durchsuchung: keine Aussagen, keine Entsperrung, sofort Aktenstrategie sichern.
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